Ubuntu – Teamgeist

Autorin: SUSANNE RAKOWITZ (1.6.2010)
Quelle: http://www.kleinezeitung.at/

Ubuntu – Teamgeist-Stärkung auf afrikanisch

Reisende wissen: Andere Kulturen sind die besten Lehrmeister. Die afrikanische Philosphie Ubuntu hat nicht nur Südafrika aus einem dunklen Teil seiner Geschichte geholfen, sondern kann auch zum Lehrmeister für jedes Unternehmen werden. Sawa bono!

Südafrika ist derzeit ob der Fußball-Weltmeisterschaft in aller Munde, auch kennen wir Nelson Mandela und Desmond Tutu ist uns ebenfalls ein Begriff, doch Ubuntu sagt Ihnen gar nichts? Dann wird es auf alle Fälle höchste Zeit dafür. Ubuntu ist keine Erfindung von Managern und Motivationstrainern, um ihre Seminarteilnehmer mit exotischem Flair bei Laune zu halten, nein, Ubuntu ist eine alte afrikanische Lebensphilosophie, in deren Mittelpunkt die Gemeinschaft steht.

Kluft zwischen Theorie und Praxis

Man kann es schon gar nicht mehr hören. In den meisten Motivationsseminaren wird von Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation gesprochen, doch werden die großen Reden und Masterpläne auch umgesetzt oder sind es nur fromme Beschwörungsfloskeln? Ganz ähnlich sehen es die beiden Autoren des Buches: “Über die Jahre hinweg haben wir beobachten können, wie Unternehmen laut und stolz verkünden, dass ‘die Mitarbeiter das Wichtigste sind’. Eine Äußerung, die häufig lauthals in Business-Ratgebern oder dem Geschäftsbericht verkündet wird. In Wahrheit jedoch setzen die wenigsten Firmen dies im Alltag um. Und diese Kluft hat sowohl menschliche als auch finanzielle Konsequenzen.”

Eines steht fest, Mitarbeiterführung ist nicht einfach und man muss sich die Frage stellen – muss man tatsächlich jemanden führen, braucht man einen Leitwolf oder ist eine Gemeinschaft ohne Hierarchien vielleicht nicht doch schlagkräftiger? Geht es nach Ubuntu, dann ist der Erfolg genau darin zu suchen: “Ubuntu ist eine Philosophie, die den Erfolg der Gruppe über den Erfolg des Einzelnen stellt.” Doch worin liegt der Geist von Ubuntu?

Familienbande

Ubuntu – die alte afrikanische Philosphie, die auf der Annahme beruht, dass alle Menschen eine große Familie sind. Wir sind alle als Brüder und Schwestern und gemeinsam auf dieser Erde unterwegs. Hat ein Mensch nicht genug zu essen, sind alle unterernährt. Wird ein Mensch misshandelt, fühlen wir alle Schmerz. Leidet ein Kind, fließen bei uns allen Tränen. Indem wir andere als Menschen anerkennen, erkennen wir gleichzeitig unsere unauflösliche Bin dung an unsere unumstößliche Zugehörigkeit zur Menschheit als Ganzes.

Diese Definition wird vielleicht manchen irritieren. Ja, Ubuntu ist keine Firmenstrategie sondern eine Lebensphilosophie, deren vollständige Umsetzung vielleicht nie zu schaffen ist, so groß ist der Anspruch, doch wer sagt eigentlich, dass man nicht mit kleinen Schritten auch große Erfolge erzielen kann? So ungewöhnlich die Idee auch ist, dass eine Lebensphilosophie auch eine Unternehmensstrategie sein kann, so ungewöhnlich ist auch der Ansatz des Autorenduos Stephen Lundin und Bob Nelson. Beide bei weitem keine Träumer, sondern ausgewiesene Experten im Bereich Unternehmensberatung. Stephen C. Lundin etwa hat mit seiner Innovationsphilosophie, bereits Unternehmen wie Microsoft und Procter & Gamble erfolgreich umgekrempelt.

Das Buch erzählt ein modernes Märchen, eines, das in jedem großen und kleinen Unternehmen spielen könnte. Der Leiter der Abteilung einer großen Firma kann seine Mitarbeiter nicht motivieren, die Abteilung ist meilenweit davon entfernt, die Zielvorgaben zu erreichen. Verzweifelt kämpft er gegen das drohende Desaster an und schuftet einsam rund um die Uhr. Ein afrikanischer Mitarbeiter seiner Abteilung bietet ihm seine Hilfe an und der Abteilungsleiter kommt erstmals mit der Philosphie Ubuntu in Kontakt.

“Der erste Schritt besteht darin, Ihre Mitarbeiter als Menschen wahrzunehmen, nicht nur als Arbeitskräfte. Das setzt ehrliches Interesse an jedem Einzelnen voraus. Was ist ihnen wichtig? Welche Lebenserfahrungen haben sie zu dem gemacht, was sie sind? Welche Interessen haben Sie? Wo möchten Sie in fünf Jahren sein? Haben sie wunde Punkte? Reagieren sie aufgrund ihrer Vergangenheit negativ auf bestimmte Faktoren, die Sie kennen sollten, um möglichst gut mit ihnen zusammenzuarbeiten?”

Der Abteilungsleiter beginnt sich für Ubuntu zu interessieren und gemeinsam mit seinem Mitarbeiter werden die Schwachstellen seiner Führungsqualitäten sichtbar:

“Ihre Mitarbeiter kennen Sie nicht. Sie wissen nur, dass Sie der Boss sind und das Sagen haben. Sobald Sie zulassen, dass sich Ihre Beziehung zu Ihren Mitarbeitern durch Unterschiede definiert statt durch Gemeinsamkeiten, entsteht eine Situation, in der Sie gegen die anderen stehen. Sie üben Druck aus und die anderen leisten automatisch Widerstand. Dann müssen Sie sich auf die Autorität Ihrer Stellung berufen, damit die Dinge nach Ihren Wünschen laufen. Im Kern haben Sie damit eine Beziehung geschaffen, der das Menschliche fehlt.”

Während vieler Gespräche werden die Leitsätze von Ubuntu dargelegt. Ein firmeninternes Preisausschreiben verschlägt mehrere Mitarbeiter nach Südafrika und lässt die Idee wachsen, Unbuntu als Firmenphilosophie zu etablieren. Lundin und Nelson schaffen ein modernes Märchen, das beim Leser nachhaltig wirkt – vermutlich sogar besser und intensiver als so mancher Job-Ratgeber es jemals könnte. Mit den handelnden Personen lernt man auch Ubuntu kennen und verstehen – und natürlich gibt es, wie bei jedem Märchen, ein Happy End. Allerdings eines, das man durchaus auch für sich selbst und seine Kollegen umsetzen kann.

Autorin: SUSANNE RAKOWITZ (1.6.2010)
Quelle: http://www.kleinezeitung.at/